Gründer sehen Rahmenbedingungen kritischer als vor zwei Jahren

Vor allem die Qualität der Infrastruktur und das Bildungssystem wurden von Existenzgründern in Deutschland deutlich schlechter als noch zwei Jahre zuvor bewertet.

Im Gegensatz zur Einschätzung der Existenzgründer erklären Experten, dass sich die Rahmenbedingungen für Gründer in der vergangenen zwei Jahren verbessert haben.

Nicht nur die Veränderung, sondern auch die Rangordnung der Rahmenbedingungen wird von den Experten teils anders eingeschätzt. So liegen die Aspekte der Gründungsfinanzierung (Verfügbarkeit von Eigen- und Fremdkapital, öffentliche Förderung) im Expertenranking im oberen Drittel, bei Gründern eher im unteren Mittelfeld. Hinsichtlich der öffentlichen Förderung gibt es im internationalen Vergleich kein Land, das in der Experteneinschätzung signifikant besser abschneidet als Deutschland. Auch das Engagement der Politik für Gründerbelange findet bei den Experten eine größere Anerkennung als bei den Gründern.

Keine Antwort enthält der KfW-Gründungsmonitor auf die Frage, welche Experten hier um ihre Einschätzung gebeten wurden. Da sie festgestellt haben, kein Land stünde bezüglich der öffentlichen Förderung besser da, handelt es sich vermutlich am Theoretiker, die nie versucht haben, gründungsrelevante Fördermittel zu erhalten. Denn dann wäre ihnen aufgefallen, dass nicht die schiere Menge der Förderprogramme bzw. deren üppige Ausstattung mit Geld eine gute Gründerförderung ausmacht. Vielmehr kommt es darauf an, staatliche Unterstützung schnell und ohne bürokratische Hürden zu erhalten. Wenn, wie in Sachsen aktuell keine Seltenheit, die Bearbeitung von Förder- oder Darlehensanträgen länger als sechs Monate dauert, ist die Relevanz dieser Förderprogramme infrage zu stellen. Welcher Gründer kann bsp. länger als ein halbes Jahr auf die Bewilligung seines Mikrodarlehens warten? Das ist keine Gründungsförderung sondern -verhinderung. Da helfen auch die Sonntagsreden der Politiker wenig, die suggerieren, sie hätten die große Bedeutung der Gründer für eine funktionierende Wirtschaft erkannt.

Statt sich weiter die Taschen "vollzuhauen" und sich für die Masse an (theoretisch zur Verfügung stehenden) Fördermöglichkeiten zu bejubeln, wäre es an der Zeit, Programme einer Effizienzprüfung zu unterziehen und diese im Anschluss zu entschlacken und zu bescheunigen.

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